Warum wir so handeln wie wir handeln “Management mit Wertebewusstsein” II.

Welche Werte – neben betriebswirtschaftlichen Maximen wie “Gewinnmaximierung” – tragen ein Unternehmen? Welche Werte brauchen Unternehmen, um langfristig erfolgreich zu sein?

Im zweiten Teil von “Management mit Wertebewusstsein” geht es heute um Persönlichkeitstypen,  und die unterschiedlichen Handlungsmotive, die auch auch auf unser berufliches Tun Einfluss haben. Außerdem: Was wir gewinnen, wenn wir wertebewusst wirtschaften.

“Management mit Wertebewusstsein -Wirtschaften mit Erfolgswerten Teil ll.”

Was veranlasst uns so zu handeln, wie wir handeln? – Ein ganzheitlicher Ansatz

Betrachten wir die im ersten Teil beschriebenen Managementmodelle, so erkennen wir eine lineare Weiterentwicklung und Differenzierung in der Einschätzung von Menschen in ihrem beruflichen Tun und Handeln.

Dabei wird jedoch angenommen, dass wir als Menschen alle etwa gleich funktionieren oder ‚ticken‘. Tatsächlich zeigt sich aber, wenn man genauer hinschaut, dass Menschen sehr unterschiedliche Handlungsmotive haben.
Gemäß der ayurvedischen ganzheitlichen Lehre sind diese in der individuellen Konstitution eines jeden Menschen begründet.

Drei verschiedene Persönlichkeitstypen

Nach der Lehre des Ayurveda ist das, was einen Menschen motiviert, eine  Frage zu welchem von drei verschiedenen Konstitutions- oder auch Persönlichkeitstypen er gehört. Der Ayurveda  beschreibt einerseits einen Persönlichkeitstyp, der ehrgeizig und sportlich ist, und Ziele erreichen will, ein anderer hat kontinuierlich neue Ideen  und ist kreativ äußerst begabt, und ein dritter ist ein sehr ausdauernder, zuverlässiger Kollege, der auch in stürmischen Zeiten so etwas wie den Felsen in der Brandung darstellt. D.h. wenn wir verstehen, dass es Personen gibt, deren ursächliches Bedürfnis es ist, etwas umzusetzen und die Führungsrolle zu übernehmen, aber auch Menschen, deren Triebfeder es ist, Visionskraft zu haben und zu initiieren, und nicht zuletzt solche, deren Natur es ist, Stabilität zu schaffen und zu erhalten, dann wird vieles einfacher.

So unterschiedlich wie die Persönlichkeitstypen sind, so unterschiedlich sind auch die Handlungsmotive. Das wird in bestehenden Managementmodellen so nicht betrachtet und berücksichtigt. Hier aber liegen der Schlüssel für die Verfeinerung und gleichzeitig auch der Weg zu einem vollständigeren Handeln. Wertebewusstes Management in diesem Sinne bedeutet also, die Eigenschaften einer jeden Person genau zu erkennen und ihr solche Aufgaben und Rollen zu geben, die der Veranlagung entsprechen. Das hat mit Integrität, Förderung, Vertrauen und Wertschätzung zu tun.

Für alle Leser, die sich jetzt bereits Im Geiste überlegen, auf wen sie nach der nächsten Umstrukturierung verzichten, sei gleich gesagt: Ein erfolgreiches Unternehmen funktioniert nur, wenn alle (!) der genannten Persönlichkeitstypen vertreten sind.

Drei Energien, die das handeln bestimmen

Aus der Sicht der ayurvedischen Lehre gibt es noch ein weiteres grundlegendes Moment, das unser Handeln maßgeblich beeinflusst. Es ist beschrieben als Kräfte oder Energien. Auch hier haben wir wieder drei Klassifizierungen: Zum einen Kräfte, die uns von uns selbst ablenken, unser Interesse wecken und das Verlangen nach mehr erzeugen und zum anderen Energien, die Trägheit, Desinteresse oder Phlegma in uns hervorrufen. Eine weitere dritte Kraft, und das ist aus ayurvedischer Sicht die Erstrebenswerte, schenkt uns Klarheit, Gelassenheit und versetzt uns in die Lage, kraftvolle Entscheidungen zu treffen.

Wenn wir nun unsere persönliche Konstitution erkennen, und verstehen in welchem Maße wir uns von außen anziehen und ablenken lassen, oder was uns träge und desinteressiert werden lässt, dann sind wir auf einem guten Weg. So können wir unser Leben und unser Handeln dahingehend entwickeln, dass wir Klarheit und nachhaltige Zufriedenheit verwirklichen und Werte nicht (mehr) nur als leere Phrasen erleben.

Auf unternehmerisches  Handeln und Management bezogen bedeutet das, dass durch das Verstehen, was für den Einzelnen wichtig ist, um seine beste Leistung bringen zu können, eine optimale Potentialförderung möglich wird. Außerdem kann durch erkennen, welche Kräfte am Wirken sind, ein ungünstiger Prozess wesentlich fokussierter und präziser beeinflusst werden.

Nach welchen Werten wird gehandelt?

Was sind die gängigen Werte, die gelebt werden? Wodurch wird Arbeit ‚wert’voll? Vielfach sind es Werte wie Egoismus, Misstrauen, Neid, Gleichgültigkeit oder Hast, die besonders durch die gegenwärtigen Medien propagiert und verstärkt werden. Das ‚Ich‘ ist nur glücklich, wenn es gewinnt: Reichtum, Macht oder Ansehen. Und das Individuum kann dies oft vermeintlich nur auf Kosten anderer erreichen.

Entweder – oder heißt die Devise. Burnout, Depressionen und hohe Fluktuationsraten oder die oben erwähnte emotionale Loslösung sind nur Beispiele von Auswirkungen für eine Volkswirtschaft, der es an Konsistenz und Balance mangelt.

Als positive Werte dagegen sind zu nennen:  Freude, Wertschätzung, Wohlwollen, Teamdenken, Vertrauen und Aufrichtigkeit. Diese prägen das Arbeitsklima wie auch das individuelle Leben. Leistungs- und Kreativitätssteigerung, Gesundheit, gute soziale Bindungen und Zufriedenheit können daraus erwachsen. Ein Team, das miteinander am gleichen Strang zieht, bewältigt mehr, als Individuen, die sich gegenseitig zu übertrumpfen suchen.

Doch es gibt auch Werte, die in unserer Gesellschaft noch gar nicht durchgängig gelebt werden. Was ist mit Liebe, Großzügigkeit, Harmonie oder Güte? Sind dies verweichlichte oder spirituelle Werte, oder kann mit ihnen auch Materielles, Sicherheit und Zufriedenheit erreicht werden? Eines der Naturgesetze, Kern in den fernöstlichen Philosophien, ist das Gesetz von Ursache und Wirkung. Einer Aktion folgt – zu einem gewissen Zeitpunkt –  eine Reaktion. Ganzheitlich betrachtet zählen sogar die Gedanken dazu, nicht nur die Taten und Worte. In diesem Sinne wirken also auch Liebe, Güte, Harmonie usw. auf uns und die Ergebnisse unseres Lebens zurück. Genauso wie Egoismus, Misstrauen oder Neid. Und in letzter Konsequenz wirkt sich das nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung auch auf die materielle Ebene aus. Übt jemand Großzügigkeit aus in seinem Leben, so wird er auch Großzügigkeit ernten. Das kann z.B. ein Lob sein, eine Beförderung oder auch ein Geschenk.

Wir rennen im Außen und vergessen das Innen. Deepak Chopra sagt: „Nur Bewusstsein existiert, das Universum ist lediglich dessen Projektion“ [1]. Doch was tun wir, um unser Bewusstsein zu entwickeln? Vielfach handeln wir nur unbewusst und sind uns der Paradigmen, der etablierten Muster unseres Wertesystems, gar nicht bewusst. Diese Muster bestimmen unser ganzes Denken, Fühlen und Handeln und wirken dementsprechend auf die Umstände ein. Die regelmäßige Innenschau, Meditation, ist eine klassische Technik, sich seiner selbst, und eben seiner Werte bewusst zu werden, und diese bei Bedarf zum Positiven hin zu ändern.

Welche Prinzipien bleiben im Management bis heute weitgehend unberücksichtigt?

Den spirituellen Werten z.B. wird bis dato mit viel Skepsis begegnet. Doch was heißt das in einfacher Weise im Unternehmenskontext? Es bedeutet, dem „Spirit“, dem Geist oder auch Gemüt, einen entsprechenden Platz einzuräumen, und damit Werte einer gewissen Skala zu begünstigen. Es bedeutet ebenfalls, Integrität des einzelnen Mitarbeiters wie auch des Unternehmens als Ganzes zu fördern, also die Übereinstimmung der persönlichen Werte mit dem Handeln. Dies fängt bei den Führungsleitlinien an und geht bis zur persönlichen Entwicklung des Einzelnen.

Ein solches Unternehmen lebt Offenheit, ist authentisch und wird durch Klarheit und erfolgreiche Entwicklung charakterisiert. Es bezieht den Menschen mit Körper, Verstand und Herz mit ein und sieht sich als Teil eines großen, untrennbaren Ganzen. Wer in solch einem Sinn ausschließlich positive Werte praktiziert, der gewinnt auch gemäß dem Gesetz der Ernte.

Was gewinnen wir, wenn wir mit Wertebewusstsein wirtschaften?

Dass Management mit Wertebewusstsein auch in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten kein Widerspruch sein muss, sondern sogar einen Motivator für Innovationen darstellen kann, haben Firmen aus verschiedenen Branchen bereits erfolgreich unter Beweis gestellt. Beispiele sind überregionale Unternehmen wie dm oder auch die Firmen tegut und Wala, in denen nachhaltiges, wertebewusstes Wirtschaften bereits erfolgreich praktiziert wird.

Viel größer erscheint die Chance, dass durch wertebewusstes Management etwas dazugewonnen wird: ein hohes Maß an Mitarbeiterzufriedenheit und –gesundheit, Weiterentwicklungspotential und damit bessere Umsätze aus dem engagierten, kreativen Wahrnehmen neuer Gelegenheiten.

Es geht um die Erkenntnis, dass nicht die ‚Abschaffung‘  von humanistischen Werten der Garant für Erfolg und Profitsteigerung sind, sondern besonnenes Handeln, das von Vertrauen und Offenheit geprägt ist.

In Zeiten wo das Ende der Kostenschraube bereits erreicht scheint, müssen neue Wege beschritten werden. Das ‚Human Ressources Modell‘ ist hier ein guter Ansatz zur Potentialförderung. Oder eben, nach dem ganzheitlichen Ansatz, mit dem Verständnis darüber, welche Menschen im Team arbeiten, welcher Persönlichkeitstyp sie sind und wie sie individuell gefördert werden können.

Nachhaltiges und wertebewußtes Management kann hier zu einem wichtigen Faktor werden, der nicht nur neue unternehmerische Perspektiven eröffnet, sondern auch persönlichen Erfolg und individuelles Glück erzielt.


[1] Deepak Chopra: twitter@deepakchopra

Soweit der Artikel “Management mit Wertebewusstsein”.
Eine ganz andere Form von individuellem Glück ist ja auch, wenn der eigene Urlaub langsam aber sicher in greifbare Nähe rückt :-).

Ihre

Manuela Kaps

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© Manuela Kaps|2014

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